“Ich zahle schon Steuern” und andere Ausreden

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January 19, 2011 by Syd

Will der Mensch was Gutes tun, so muss er Gleichgesinnte finden, die sein Anliegen unterstützen. In meinem Fall, geht es um ein Projekt, dass Gelder für den Hausbau auf Haiti zusammen tragen mag, und nicht nur das, sondern auch Bewusstsein schaffen mag. Indem ich selber eine Leistung erbringe und mich dafür bezahlen lasse, dies aber weitergebe, komme ich ins Gespräch und ich kann eben auch etwas tun, wenn ich kein Geld habe. Kurzum, eine einfache Sache. (Mehr zum Projekt auf der Seite)

Warum Leute nicht mitmachen? Ein gut denkender Mensch sagt sich: Vielleicht helfen sie woanders…oder ähm vielleicht verstehen sie’s nicht…oder es gibt politische Gründe, Bedenken normaler Art eben.

Was einem allerdings so begegnet auf dem langen Weg Unterstützer zu finden, lässt einen doch bisweilen stark verwirrt zurück, in einigen Fällen macht sich aber auch eine gewaltige Wut breit. Jedenfalls bei mir. Vielleicht mag ich ein naiver, blöder Volltrottel sein, der ahnungslos glaubt, er könne die Welt verändern und nicht blickt, dass der Laden morgen hochgeht, aber manches ist schwer zu verdauen. Man erfährt also in den vielen, vielen Einzelgesprächen folgende interessante Haltungen. Die Bemerkungen in Klammern sind meine subjektiven, total undiplomatischen Äusserungen.

“Ich zahle schon Steuern!” (Sitzen 6, Thema verfehlt, würde ich meinen Schülern sagen)

“Ein Haus hilft doch niemandem weiter!” (äh, schon mal obdachlos gewesen, cool, erzähl mir mehr über dein Leben!)

“Die können doch selber Häuser bauen!” (WOMIT?????)

“Mir hilft auch keiner.” (Hast du mich gefragt, ob ich Dir helfen kann und vor allem wobei? Und was hat dein 70 StundenJob mit Haiti zu tun?)

“Ach, weißte, ich meine, du bist halt so ein Weltverbesserer, ich denk, da kann man eh nix machen, wirst du auch noch merken.” (Wie gut, dass alle so denken, erstaunlich, dass wir dann nicht noch in Höhlen hocken.)

“Das machen nur Leute, die sich dann selber besser fühlen wollen, reiner Egoismus.” (Geil, ich bin ein Egoist und helf damit noch jemand, gib mir mehr, Baby.)

Nach all den Platitüden, halblebigen Ausreden und anderen Sinnlosigkeiten, könnte man direkt in eine Depression verfallen, wenn nicht all die vielen anderen wären. Zum Teil auch die, von denen man es nie gedacht hätte. Menschen, an deren Mithilfe man nicht gedacht hat. Die Freude über die, von denen man es gedacht hat. Kurzum, die Puschelwuschels meines Daseins, die chaotisch-liebevoll genauso naiv wie ich sein wollen und mit Kleinigkeiten erleben, dass man, wenn man auch nur einen Menschen wieder glücklich gemacht hat, es die Mühe wert war. Dass viele kleine Schritte irgendwann auch ein großer sind.

Danke, dass es Euch gibt. Danke für die Ideen, Eure Warmherzigkeit, Euren Altruismus, Eure Naivität und Danke, einfach dafür, dass ihr meine Welt damit weiterhin lebenswert macht, weil ich mich weigere in einer zu leben, in der jeder nur an seinen Vorteil denkt.

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One thought on ““Ich zahle schon Steuern” und andere Ausreden

  1. uli says:

    Sich über ignorante, asoziale Leute aufzuregen, die sich ohnehin nicht ändern, verkürzt nur die eigene wertvolle Lebenszeit. Daher freue ich mich über die beiden letzten Absätze.

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