Mohawks, Bierkrüge und ein Privatmuseum-welcome to Bavaria

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August 3, 2011 by Syd

“Dreimal umgezogen ist wie einmal abgebrannt!” sprach vor einiger Zeit die Tina in Tübingen und sie sollte recht behalten. Der seit Monaten anstehende Umzug wurde zu einem Abenteuertrip samt Survivalausbildung. Unter meinen Umzugshelfern in Heilbronn grassierte jedenfalls erst einmal eine dramatische Grippe, die sich in ungeahnten Symptomen äusserte, die sich nur mittels eines Kanutrips im Donautal oder dem Aufenthalt im Luftkurort Tübingen wieder beheben ließ. Langer Rede kurzer Sinn: Syd packte ganz alleine ihre Kistchen zusammen, bis Hilfe in Gestalt eines Twuetopiaheadquartermitglieds eintraf, der den letzten Krims zusammen packte und die Möbel fachgerecht zerlegte. Damit war es aber mit den Talenten noch nicht rum. Als endlich der Europcartransporter unter Mithilfe meiner französischen Kollegin gepackt war, fuhr der gute, ehemalige Panzerfahrer souverän einen LKW nach Bayern. Wir wollen das milimetergenaue Einparken nicht vergessen.
Angekommen in der neuen Wahlheimat fiel der Empfang, sagen wir unter die Kategorie: Alles nicht wahr. Statt Konfetti gabs Schimmel in der Wohnung, statt Feuerwerk eine komplett zu renovierende Wohnung und statt Schampus meine Einweihung als Museumsleiterin meines privaten Museums. Doch langsam, für die armen sydkrypt-Opfer: Ja, es gab Schimmel, nicht so dramatisch wie vermutet, aber er sorgte dafür, dass warper und ich die ersten Nächte in einer idyllischen Ferienwohnung mit Weiherblick bei Annemarie zubrachten. Ja, da war sie die bayrische Gastfreundschaft.
Die nähere Inspektion ergab, dass ich offenbar die Tapezierkünste meiner nach Spanien ausgewanderten Vermieter leicht überschätzt hatte (man tapeziere um Schränke herum), Tropfsteinhöhlenbildung im Badezimmer ein Hobby meiner Vermieterin war (die Mischung aus Zahnpasta, Kalk und Aldireiniger sorgt für harte Nachbildungen) und die geschätzen Vermieter mir ein wahres Reich als Privatmuseum übereignet haben. So fiel auf den gemieteten insgesamt 270 qm samt Nebengebäuden doch eine beachtliche Schausammlung an. Meine Bierkrugsammlung lässt jeden bayrischen Einheimischen vor Neid erblassen. Doch damit nicht genug. Kriegsradios, Schreibmaschinen, Vorhänge, Schränke und Kommoden, Trachtenjankerln, Füchsen, Geschirr, Diaprojektoren, Heizungen, Waschbecken, Fliesen, Bodenbeläge, eine Original SEGA 16 bit Spielekonsole mit Spielen und viel geiler ein HOOVERstaubsauger aus den 50ern und allerlei Kuriositäten aus sechs Jahrzehnten wurden mir vertrauensvoll überlassen. Mein Ölkeller jedenfalls bietet nun das erste Bierkrugmuseum von Bayern.
Dank meiner ebenso tapferen wie illustren Umzugshelfer, die ihre ganzen Talente zu Tage förderten ist der rote Teppich im Zimmer meiner Tochter jedenfalls nun eine saubere erste Vorlage für den dort enstehenden Nachbau von “Fangtasia”, der Schimmel wurde dank warper und dem Hallenbadflair eines Chlorgasproduzierenden Tötungsmittels nachhaltig bekämpft und mit sündhaft teurer Ökofarbe überdeckt. Der Sohn hat auch wieder ein Zimmer und ich mein Sofa wieder, niegelschön geputzt. Die Küche glänzt in siebziger Jahre Schick vor sich hin und die Bücher sind fast alle hochgetragen. Dank der Ratsstuben bin ich nun auch eingebürgert und die verloren gegangenen Personalausweise wurden eiligst fertig, damit das Töchterlein nach Spanien zur Erholung fliegen kann. Wo die Schrauben nun wieder sind, warum ich schöne Blumen habe und warum meine Nachbarn ganz besonders aufregend sind erzähl ich Euch, wenn ihr mein Museum besuchen kommt. Wers eiliger hat zu erfahren, was ein pinker Mohawk, ein Zimmer mit Seeblick, Katzen in der Sauna und Räucherware aus Wolfratshausen mit dem ganzen zu tun haben, setze sich ins Weinhaus Beck und befrage den warper.
An dieser Stelle aber ein dickes Danke an: Den King of the road warper, an die großartige Annemarie, an die Handwerksmeisterin Imke, an meine glorreichen neuen Nachbarn und Jette. An meine Backupfront in Frankfurt für’s Kinderhüten und bespaßen, an Edith und Petra in Heilbronn, an den Grandmaster of Bosses, der mich nachts um drei auf dem Balkon vor dem Kollaps rettete und finally an die großartigsten, tollsten, schönsten Kinder der Welt. Ihr seid die Besten.
Ob Alice wieder meine Lieblingsfirma wird, sehen wir dann in den nächsten Wochen, wenn ich irgendwie wieder Telefon habe.

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