Kisten

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August 8, 2011 by Syd

Die Umzugshelfer sind wieder an ihren üblichen Wirkungsstätten, mit den Nachbarn hat man nun auch mehrere Grappa und Kaffees auf frohe Nachbarschaft getrunken, der Sportgeschäftsandi hat einen zu einer Klettertour eingeladen und der Pikachu des Sohnes strahlt dank Annemarie farbenfroh von der Wand.

Schrauben fehlen immer noch, die Bodenleisten sind unzuordenbar in einer Ecke gelandet und man hat kübelweise sündhaft teure Keim-Farbe an die Wand gebracht.
Zeit die Kisten aus der Garage zu holen. Nach dem Erstschlag des zerstörten Verstärkers hofft man nun den letzten Krimskrams in der Bude unterzubringen. Und wie immer, da ganz hinten, auf den zerdepperten Weihnachtskugeln und unter den Lustigen Taschenbüchern steht sie. Die Kiste. Sieht harmlos aus, passt nur nicht zu der Hornbach-Obi-Edition, die man sonst so hatte. Der Nachbar schleppt sie stöhnend nach oben und dann macht man sie auf. Wird sie die längst vermisste Machine Head Jacke von 1998 enthalten? Omas Gugelhupfform? Die bestickten Handtücher, die man als Aussteuer zur Konfirmation bekam? Nein, Deckel auf und da liegt der Kram. Briefe, Fotos aus früheren Tagen, CDs, Kassetten, das T-Shirt aus New York und während man den Schock versucht zu verarbeiten steigt einem der Geruch in die Nase. Deiner. Du hast nie anders gerochen. CKone hält sich an Dingen, wie Omas Lavendelsäckchen in der Mottenkiste. Man könnte den Kram nun einfach in den Ölkeller bringen und den Schlüssel wegwerfen. Aber du kommst ja eh. Mal wieder. So zum Helfen, weil man ja gerade alleine vor sich hin wurstelt in der 270 qm Wohn-Lagereinheit über dem Bunker.
Man kanns dir mitgeben, aber dann, dann müsste man reden und was bringt das schon.
Dann müsste man sagen, dass du einem fehlst, dass jedes Parfum stinkt ausser deinem, dass ausser dir keiner den gleichen Musikgeschmack wie man selber hat, dass man nur mit dir sinnlos Little Britain schauen kann, dass ausser dir niemand so wunderbar Thai-Kokossuppe macht. Und dann? Wär man wieder an dem Punkt, dass ausser dir aber auch niemand einem so weh tun kann. Also Deckel zu, ab auf den Dachboden damit. Vielleicht vergisst ja jemand sie beim nächsten Umzug…

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