Star Trek in Bavaria

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October 12, 2011 by Syd


Nach nur zweieinhalbmonatiger Eingliederungsbeihilfe durch die bayrische Landbevölkerung mittels eilends herbeigeeilter Umzugshelfer, italienischer Kaffeelieferanten und einer Einführung in das heimische Verkehrswesen (Blutstreifen) wurde ich eilends eingebürgert. Abreise verweigert und eingemeindet. Der Postbote findet mich trotz abwesender Briefkastenbeschriftung mit der Heimlist eines bajuwarischen Bullen von Tölz wieder, btw, wie die Tölzer nicht müde werden zu erwähnen, gibt es gar keine Kripo in Tölz. Wozu sollte diese beschauliche Gegend denn auch eine Kripo brauchen, lebt der nun 70 gewordene König von Bayern ja kameraüberwacht und von den Gebirgsschützen flankiert sicher und friedlich in Wolfratshausen. Ja, Wolfratshausen. Eine Kirche, lustige Beleuchtung, ein demeterladen und es werden sogar sämtliche Güter für die esoterischen Belange in kleineren Familien geführten Läden feil geboten, als hätte Steiner seinerzeit dort das gelobte Land ausgerufen.
Allerdings ist Räucherware im Sortiment hier auch dringend vonnöten, spuken doch so einige einzigartige Wesen hier durch das beschauliche Voralpenland. Wer annimmt, dass einen hier die Langeweile hinraffen wird, dem sei dann doch mal der Konsum vom Bullen von Tölz warm ans Herz gelegt. Hippies, Transgenders, eingefleischte Bierzeltadjutanten in der Lokalpolitik, schwäbische Einwanderer, betagte Münchnerinnen mit Kehrwochenallergie, alles dabei. Auf der Suche nach einem bajuwarischen Gemüt fand ich nur eine ohnehin schon bekannte Bayerin, die bei meinem Herzug schnell nach Augsburg emigrierte.
Und wer glaubt, dass die Bayern nur auf Hackbretterln spielen oder zünftig in die Trompete blasen, dem sei gesagt, nix da. Es schalmeit abenteuerlich von den Kulturbühnen mit tiefgängigem Liedgut. “Mogst mi oder mogst mi net”, im Staccatorythmus und der wohl meist gestellten Frage aller Fragen:

“Weil wenn d mi net mogst, mogst mi denn doch vögeln?”

Ja, da ist dann auch 42 keine Antwort mehr. Und zum Thema Weltenraum fällt dem Bayern dann doch ganz postmodern die Titelmelodie von Star Trek ein, immerhin ganz selbstbewusst mit den Worten: Jo mei, Sie ham doch Weltraum gsagt. Aber auch meine Anwesenheit blieb für die Umgebung nicht ganz wirkungslos, werde ich doch nun täglich mit den Worten konfrontiert: Können wir dann jetzt veschbern, oder wie sagt man da, wo Sie herkommen?

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