“Mutti”, Mutti will arbeiten!

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April 13, 2012 by Syd

Zur Zeit mag man ja eigentlich nicht Nachrichten schauen. Ob Günther Grass mal wieder die Feder wetzt und auf seine alten Tage sich ein israelisches Hausverbot einhandelt oder Transfergesellschaften für Schleckerverkäuferinnen, es graust einen auf ganzer Linie. Und wenn man dann noch Mutti Merkel erleben muss, die ein Zwangsbetreuungsgeld für Mütter als die Errungenschaft der Familienpolitik ausgibt, weil sie nicht zugeben mag, dass das mit den Betreuungsplätzen mal wieder ganz unskandinavisch wird, dann wartet man bis exakt 20:15 Uhr, damit man sich den Tatort damit nicht versaut.

Hey 150 Euro damit Mutti daheim die Decke auf den Kopf fällt und ihr eigenes Leben mal eben auf Eis legt, das ist doch ne prima Sache. Darf man ja aber wieder nicht sagen, Rabenmutti lässt grüßen. Man muss es ja aufregend finden mit der Sippe daheim rumzuhocken und Türmchen aufzustapeln. Und dann noch diese Wahnsinnssumme dafür. Frauen, seid glücklich!

Auch wenn ich meine Brut unfassbar toll finde, ich gehe gerne arbeiten. In meinem Falle tausche ich sogar glücklich die eigene Brut gegen die Brut anderer Leute ein, um dieser Bildung nahe zu bringen. Man mag mir also vieles unterstellen, aber Kinder machen mich nicht unglücklich und nein, ich mag meine Kinder auch am liebsten um mich herum. Auch wenn man Aufräumen für obsolet erklären kann, wenn sich die heißgeliebte Bande im Hause aufhält und Lärm neue Dimensionen erhält und zugegeben, wenn ich noch ein einziges Mal Taio Cruz’ “Hangover” hören muss, schmeisse ich ernsthaft mit Putzlappen!
Mag ich 150 Euro fürs Daheimbleiben? Die Antwort lautet, wie die meiner meisten Geschlechtsgenossinnen: NEIN! Dislike Button, ganz großer leuchtender Dislikebutton. Gebt mir den Alleinerziehendenfreibetrag wieder, setzt mir endlich beide Kinder auf die Steuerkarte, schafft mir Betreuungsplätze und ich jubel und wähle dann auch Euch (Liebe Piraten an dieser Stelle: Hallo!!! Da wäre mal ne Antwort angesagt). Um genau zu sein, wähle ich die erstbeste Partei, die vernünftige Familienpolitik für dieses Jahrhundert betreibt.
Ich will eure 150 Euro nicht, weil ich nicht daheim sein will, und ich will sie nicht, weil sie woanders besser investiert wären. Denn ganz ehrlich, die Familie die sich heuer erlauben kann, dass Mutti daheim bleibt, die braucht sie auch nicht.
Liebe Angela Merkel, jetzt kommts. Manchmal kann man einfach nicht begreifen, was Familien wollen, wenn man selber keine hat. Wenn man nie mit der schreienden, trotzenden Brut bei Regen daheim sitzen musste und zum siebenundachtzigsten Mal “Wie Findus zu Petterson kam” vorlesen musste. Man wird auch nicht verstehen, dass frau nicht studiert oder eine Ausbildung macht um dann die geliebten Satansbraten zu bespaßen, die Hütte zu pflegen und ansonsten vor sich hin zu dämmern. Das machen wir nämlich nebenher und wir machen es zwanzig Mal lieber, wenn wir auch arbeiten dürfen und das dann erwirtschaftete Geld nicht zur Hälfte in Betreuungseinrichtungen stopfen müssen, bei denen wir Hahnenkämpfe um den letzten Platz ausfechten mussten, um uns dann noch als die gestressten Rabenmuttis darstellen zu lassen. Kinder wollen ihre Mama. Ja, wollen sie. Aber sie wollen auch eine Mama, die zufrieden ist und die sich sogar auch noch selber verwirklichen darf.
Dass unsere Worklifebalance häufig ziemliche Schieflage dadurch erhält und der Wäscheberg neue Rekordhöhen erreicht, dass das Frühstücksgeschirr abends noch rumsteht, und wir von einer Putzfrau träumen, geschenkt. Denn wenn wir nach unserer Arbeit heimkommen, freuen wir uns nach einer Tasse Kaffee auch auf die schlecht gelaunte Teenagertochter, aus deren Zimmer mal wieder Adele dröhnt, die uns erstmal der absoluten Ungerechtigkeit bezichtigt, weil wir nach 10 h Schule doch nicht mehr in die Premiere von “Die Tribute von Panem” gehen wollen, wie alle anderen Mütter, und den Nachwuchs der erst einmal behauptet, dass es jetzt aber Zeit sei mit der Vorbereitung der Raubtierfütterung zu beginnen. Ja, wir lachen nicht immer dabei und manches Mal, ja manches Mal machen wir die Balkontür hinter uns zu, atmen fünfmal tief durch und träumen von was anderem. Nur nicht von 150 Euro Betreuungsgeld, sondern von weniger Betreuungskosten, damit wir dann endlich mit der Brut sieben Tage 24 Stunden lang Campen fahren dürfen.
In diesem Sinne: Schmiert euch diesen Rotz in Euer Seniorenhaar, ich gehe dann mal arbeiten und ihr dürft euch nächstes Jahr fragen, warum schon wieder so viele Frauen nicht ihr glückliches Kreuz bei Euch machen. Dann bleiben sie nämlich lieber zu Hause. Work-Life-Balance und so…darauf ein Holsten, für Mutti:

Picture Copyright by Holsten Brauerei

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3 thoughts on ““Mutti”, Mutti will arbeiten!

  1. Hendrikje Pries says:

    Riesengroßes Amen Schwester. Auch wenn ich keine schreienden, pupertierenden Kinder mein nennen darf, so kann ich dies dennoch unterschreiben. Meine Stimme als Familienministerin hast du ja schon. Ach ne, da ist ja noch die Oberzicke, die allen “beweist” was für eine Übermutter sie ist. 😉

  2. Mausflaus says:

    schön bissig und treffend geschrieben 🙂

  3. Auch wenn ich nie eine Mutti sein werde – Danke! Super Blogbeitrag.

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