“Komm’, wir tun uns weh!”

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May 30, 2012 by Syd

Ein Ziel vor Augen, stets nur dem eigenen Blick folgend, rennt man gerne mal gegen die Mauern, die andere errichtet haben. Nach vier Jahren muss ich sagen, ich biege ab, Einbahnstraßenschild mißachtend kehre ich um, scheiß auf die Straßenverkehrsordnung. 

Denn dort hinten am Horizont glitzern versteckt und noch ganz sachte die kleinen Freuden, die humorvollen Momente der Dinge auf, die man damals so größenwahnsinnig und trotzig verlassen hat. Mit einer Menge Altruismus im Gepäck hat man die Heimat verlassen, die charmanten Irren ignoriert und sich aufgemacht der Welt zu beweisen, dass sich Dinge ändern können.

Vier Jahre später sitzt man sehnsüchtig auf denselben Koffern, hat den Lebenslauf an alte Bekannte entsendet und beschlossen, der ganze Mist kann einen Mal. Besser gesagt, es wurde für einen entschlossen, für all die klugscheißenden Gemüter, die auf ihren hohen Rossen die Moral und Würde beten wollen. Für all die Opfer da draussen, die doch keine Ahnung von dem haben, was sie zwischendurch mal so anrichten. 

Ganz dort hinten stehen sie und haben schon mal Kaffee gekocht für die Rückkehr der verlorenen Buchstabentänzerin, deren Traumtanz nur Narben auf die Seele gepackt hat. Sie haben ihre Bekannten angerufen, Jobs vermittelt, sie haben geweint mit einem, gelacht, so getan, als hätte nie etwas statt gefunden. Als hätten sie nie davor gewarnt. 

Das Leben packt einen manchmal am Kragen und verweist einen auf den Platz zurück, weil man selber ihn verloren hat. Und das tut richtig weh. Man schimpft und flucht und hadert mit dem Kerl weiter oben und da am Wegrand hat man jemand verloren für immer. Schachmatt, vorbei, die Dame ist gefallen, hat den Respekt unter sich begraben, die Liebe verloren. 

Vielleicht wirst du mir fehlen, vielleicht kann ich aber auch sagen, das hat alles so sein müssen, damit ich wieder weiß, wer ich bin. Ich hab’ mich so böse verloren gehabt da draussen und erst gemerkt, wie sehr mir mein Leben fehlt, wie sehr die Schminke sich auf meinem Gesicht festgeklebt hatte und ich mir selber vorgemacht habe, dass ich anders sein will, als ich eigentlich bin. Und da war sie die Wand. Volle Breitseite reingelaufen, ein Meter Stahlbeton mit einem großen Schild dran: Du musst draußen bleiben. 

Geh’ zurück, geh’ nicht über Los. Und dann ist da dieser Moment in dem man die Hoffnung wieder findet, sich selber wieder einsammelt unterwegs und mühevoll zusammen setzt. Der Horizont ist in Sichtweite, er schillert sanft in der Abendsonne und man weiß, man wird zu Hause sein. Und es wird sich gelohnt haben, auch wenn’s weh tut. Weil man weiß wieder wer man selber ist und wo man eigentlich hingehört. 

In diesem Sinne: Mach’s gut da hinter Deiner Mauer. Ich kann gehen und lasse Dich zurück und weiß, dass es so sein muss. Gehab dich wohl. 

 

 

 

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5 thoughts on ““Komm’, wir tun uns weh!”

  1. Dosiba says:

    Wow…. *dichmaleinfachganzdolldrück

  2. Maria says:

    Wie hat Falco mal gesungen “… muss ich den sterben, um zu leben?”

    • Syd says:

      Ja, das ist sehr passend. Für mich als alter Falcojünger ja beinahe peinlich, dass mir der nicht eingefallen ist.

  3. D. says:

    Schätzeken, ich sitze hier und bin schon wieder am Wasser gebaut. Egal, “die charmanten Irren” und zu denen zähle ich mich ganz unbedarft, wollen Dich immer wiederhaben, weißte doch. Ja, wir ham geunkt und scheiß drauf wir hatten recht. Zählt doch nicht, komm heim in Papis äh unsere Arme und wir fliegen dich tapfer auf deine grüne Wiese und schmuggeln deine Bücher am Zoll vorbei. Ich für meinen Teil bin froh meine jute alte Syd wieder zu haben. BTW dein freundlicher geliebeter Tätowierer erwartet dich, von wegen Schminke ab. In diesem Sinne, cheers, wir sehen uns morgen.

  4. Andi says:

    Die Traumtänzerin kehrt zurück. Na, das wird aber Zeit. Ja, ich lass hier auch das wir wusstens besser weg. Lieber Waldorfguruverein, ihr tut’s mir leid, richtig leid. Aber wir nehmen das Syddchen gerne wieder bei uns auf. Ätschebätsch! Hach, sry babe, natürlich weiß ich dass du gehofft hast, dass es anders is, aber du verzeihst mir sicherlich die ein oder andere Freudenträne über die Tatsache, dass ich froh bin dass du wieder auf dem Pfad der wahren Tugend wandelst und die komischen Klamotten da in den Schrank hängst. Welcome back!

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