Patchworkflickenschusterei

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January 20, 2013 by Syd

Moderne Zeiten, irgendwo ist immer noch ein Elternteil, ein Großelternteil, ein adoptiertes, ein gestieftes, ein eingemeindetes. Patchworkdecken sollen bunt sein. Ich erinnere mich wie man sie früher Babys verschenkte. Ein Traum aus bunten Farben, leuchtend, schillernd, ein Märchenteppich, keine Flickschusterei aus dunkelgrauen, sturmwolkigen, finsteren alten Flicken, die einen abschrecken.

Patchwork heute, das ist Logistik bis zum Äußersten. Die Exfrau des Ex-Nochvaters, die neue Frau, die Oma, die andere Oma, die neue Oma, die Eltern der Exfrau, der neue Mann, seine Familie, seine Kinder, meine Kinder…Die Kinder on tour zwischen Irland, Bremen, Freiburg, München, Schwäbisch Hall und Honolulu. Urlaubsplanungen werden zu Krisengebieten mit Minenfeldern, Weihnachten ein Wahnsinn und verloren haben am Ende alle, am allermeisten das Kind um das es geht, das zwischen all dem Gezerre und Gereisse, all dem Terminstress, Buchungen und Emotionen der einzelnen vor Kopfschmerzen eingeht.

Patchwork und ALLE haben verloren, kein Märchen, keine bunten Farben, nur Tickets, Terminpläne, Urlaubsstress, Kofferwahnsinn und immer das Gefühl, das einer zu kurz kommt. Man sieht sein Kind, das doch alle mag und alle gerne sehen mag und das nicht klar kommt, dass die Welt, die so unübersichtlich ist ohnehin schon als Teenager, aus den Fugen gerät. Irgendeiner weint immer, vermisst, hat seinen Urlaub versaut oder diskutiert sich einen Wolf um irgendeine halbgare Lösung zusammen zu zimmern, die wieder keinen glücklich macht. Da wird herumgerechtet, Prioritäten erstellt: Wer is nu wichtiger? Mama, Papa, die Oma, die heißgeliebte Exfamilie von Papa, der Bruder, der Onkel? Únd am Ende muss sich der Hund das Drama geben und die Tränen trocknen und der kleine Bruder kuriert fürsorglich mit Cola das Dilemma.

Ach du dumme Erwachsenenwelt, die sich um solche Dinge streitet und ganz vergisst um wen oder was eigentlich? Es könnte so bunt sein, so vielfältig. Ein Gemenge aus Lebensperspektiven, aus Erfahrungen, aus soviel Liebe zu einem Kind und was bleibt ist der Kloß im Hals, das Ungerechte, das Verlorene und ganz viel Regenwetter. Irgendeiner weint irgendwo ins Kissen, fühlt sich belanglos, übergangen oder entmachtet. Man kann sich nicht mehr freuen, dass alle aber auch alle einen drücken und lieb haben wollen.dass alle einem ihren Weihnachtsbaum zeigen wollen, alle ein gutes Jahr wünschen wollen und alle gerne mit einem in Urlaub fahren, alle einem so gerne mitteilen dürfen was sie bewegt, was sie lesen, was sie fühlen und denken.

Um ein Kind zu erziehen braucht es ein ganzes Dorf, so sagt man. Das geht aber nur, wenn jeder die Hütte des anderen respektiert, aktzeptiert und nicht niederbrennt. Das geht nur, wenn keiner dem anderen neidet, und dazu sind wir noch lange nicht bereit. Man müsste ja sich mal zusammen reißen, statt Urlaub in Spanien Weihnachten mit allen feiern, mal davon absehen, dass man sich nicht mehr lieb hat, aber das wunderschöne Mädchen da, das haben alle lieb. Man müsste sich stehen lassen können, nicht eifersüchtig sein und vielleicht hätte man sogar Spaß dabei und könnte drüber lachen.

Doch während all dem Gestreite, all den bösen Wünschen, den Tränen passiert dann doch wieder ein Wunder:

Denn inzwischen entgleitet uns der Schmetterling aus seinem Kokon und schlüpft zwischen den Maschen durch und lernt fliegen und schaut verwundert auf die kleine, dumme Erwachsenenwelt und sucht sich seinen eigenen Platz. Das ist dann trotzdem wieder ein Märchen, ein abenteuerliches, ein aufregendes und so bleibt am Ende nur eine Weisheit meiner herzallerliebsten Großmutter wahr:

Kinder werden groß und sie kümmern sich einen Mist darum ob wir das wollen oder nicht.

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One thought on “Patchworkflickenschusterei

  1. […] er sich überzeugen konnte, dass Oma und Opa nicht mehr da oben sind. Ganz so schlimm wie es Syd beschreibt, war es nicht (vor allem dieses Gezerre verschiedener Seiten findet so hier nicht statt), aber ein […]

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